Was Management vom Zirkus lernen kann

Juni 24, 2021

Schließe einen Moment deine Augen und stell‘ dir vor, du wärest in einem Zirkus. Vielleicht kommen auch Erinnerungen an deine Kindheit auf. Bei mir ist es der Geruch von Sägemehl, Tieren und Menschen, Limonade und Zuckerwatte immer Not präsent, als wäre ich gestern erst dort gewesen. Die Konzentration und Aufregung der menschlichen und tierischen Artist:innen ist immer noch spürbar und überträgt sich auf mich. Und dann kommt der großartigste Moment überhaupt, wenn es heißt „Manege frei!“.

Als Zuschauende erleben wir Zirkus nur als Unterhaltung. Dass zum Zirkus höchste Präzision, Vertrauen, Respekt, Timing, Wagemut und noch viel mehr gehören, kommt uns vielleicht erst in den Sinn, wenn wir in unserem Freundeskreis darüber philosophieren, was einen Zirkus eigentlich ausmacht. Martin Lacey jr., mein Interviewgast in diesem Video, kann Antworten darauf geben. Gemeinsam mit seiner Frau Jana Mandana Lacey-Krone ist Martin Direktor des weltweit größten Circus Krone in München. Er ist zudem der erfolgreichste Tiertrainer, der mit seinen Löwen mehrfach beim Zirkusfestival in Monte Carlo den Goldenen und Silbernen Clown gewonnen hat. Branchenkenner wissen, dass das der Oscar ist.

Als Zirkus-Direktor ist der Umgang mit Herausforderungen Tagesroutine. Nicht erst durch die Pandemie haben sich Notwendigkeiten für Veränderungen ergeben. Tierschutz war schon immer ein Thema, das volle Aufmerksamkeit kostete. Am Ende des Gespräches mit Martin ist klar, dass ein Zirkus kein wildes Durcheinander ist, sondern ein Unternehmen, das auf Respekt vor seinen menschlichen und tierischen Mitarbeitenden, Diversität, Vertrauen und Freude an Kooperation gebaut ist. Damit ist Zirkusleben eine Frage der Haltung, die bei Martin deutlich erkennbar ist. Vertrauen und Respekt sind auch die Kräfte, die ihm in der Arbeit mit seinen Löwen tragen. Ohne, so sagt er, hätte er bei seinen tierischen Partner:innen keine Chance. Die Löwen kooperieren mit ihm nicht, weil sie müssen, sondern weil sie wollen. Und wie Martin es schafft, dass die Löwen wollen, verrät er im Gespräch.

Mein Fazit: Die Grundprinzipien seiner Arbeit mit den Löwen sind identisch mit denen, die in guter Führung lebendig sind: Kontakt vor Kooperation. Es ist die geklärte und stabile Beziehung, die Kooperation ermöglicht. Niemals umgekehrt.